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Der ehrbare Kaufmann wird grün

Klimaschutz und Mobilität im Unternehmen

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Bringt eine CO2-Bepreisung den richtigen Anreiz? Wie lässt sich betriebliche Mobilität klimafreundlich gestalten? Wie konkret leisten Unternehmen bereits jetzt einen Beitrag zum Klimaschutz? Bei der CSR-Tagung am Dienstag den 29.Oktober 2019 im Factory Hotel in Münster tauschten sich knapp 90 Gäste über diese Fragen aus.

Für den Flyer der Veranstaltung klicken Sie hier.

Dr. Herbert Jakoby, Abteilungsleiter Wirtschaftspolitik im Wirtschaftsministerium NRW (MWIDE NRW) betonte in seiner Einleitung, dass Klimaschutz ein Teil der unternehmerischen Verantwortung sei. Diese werde durch die Landesregierung u.a. durch die Förderung der sieben CSR-Kompetenzzentren unterstützt. Er nannte mehrere Beispiele für Klimaschutzprojekte aus der Wirtschaft wie die Forschung für eine klimaneutrale Stahlproduktion bei Thyssen Krupp, die zirkuläre Rohstoffnutzung in der Kunststoffindustrie sowie Green Bonds als Produktangebote von Finanzdienstleistern. Für die Automobilbranche prognostizierte er einen rasanten Wandel zur E-Mobilität.

Als Key Note Speaker berichtete Prof. Martin Lühder, Verkehrsplaner an der Fachhochschule Münster über Verkehrsbelastungen und innovativen Lösungen der Mobilität von Unternehmen (Foliensatz). Unter dem Pendelverkehr leide nicht nur der Pendler selbst, sondern auch die vom Pendlerverkehr betroffenen Anwohner. Zuerst müsse aber die Qualität der Alternativen verbessert werden bevor man die Nutzer zum Umsteigen drängen könne. „Wenn wir den Leuten zumuten wollen umzusteigen, muss auch die Infrastruktur stimmen!“ so Lühder. Einen Ansatz sieht der vehemente Befürworter einer nutzerbasierten Finanzierung der erforderlichen Infrastruktur (City-Maut) in der vermehrten Einrichtung reiner Busspuren. Gerade in Münster sei es bekannt, an welchen Strecken und Knotenpunkten es immer wieder klemme.

Podiumsgespräch

Im Podium diskutieren der Unternehmer Roland Schüren (Entrepreneur for Future), Dr. Herbert Jakoby (Abteilungsleiter Wirtschaftspolitik im NRW Wirtschaftsministerium), Sabine Braun (Vorstand future e.V. – verantwortung unternehmen) und Prof. Martin Lühder über die Herausforderungen, Handlungsansätze und notwendige Anreize zum betrieblichen Klimaschutzes.

Die Runde war sich einig, dass die CO2 Bepreisung der richtige Ansatz ist, der Preis aber aktuell zu niedrig angesetzt sei. Roland M. Schüren, Inhaber der Handwerksbäckerei „Ihr Bäcker Schüren“ plädierte zudem für eine klare Frist, bis wann Verbrennungsmotoren verkauft werden dürfen. Diese Deadline könne weit weg sein, Hauptsache, „es gibt einen Termin, dann bewegen sich die Hersteller“. Eine Klarheit der Rahmenbedingungen würden dazu führen, dass es Zustimmung aus den „Reihen des Ehrbaren Kaufmanns“ gäbe, denn „dann sind die Investitionen sicher“ so Schüren.

Der als „Enterpreneur for future“ aktive Unternehmer hat seinen Auslieferungsverkehr zum großen Teil auf Elektrofahrzeuge umgestellt. Seiner Erfahrung nach mangele es nicht an Ladestationen, sondern an guten E-Autos. „Die Ladesäulen kommen von alleine, sobald es ein Geschäftsmodell (d.h. genug E-Autos) dazu gibt.“

Sabine Braun, Vorständin von future e.V. – verantwortung unternehmen setzt auf die Mitarbeiter/innen und insbesondere den Nachwuchs. „Die Forderungen an Unternehmen von jungen Leuten sind sehr hoch – auch in Bezug auf Nachhaltigkeit und CSR. Sie wollen heute sehen, dass sie was für die Gesellschaft tun.“

Praxisforen

Lieferverkehr mit Elektrofahrzeugen, Fuhrparksteuerung mit GPS-Ortung, umweltfreundliche Mitarbeitermobilität, Klimaschutzkooperationen für die Nahwärmeversorgung oder die Klimabilanz als Grundlage einer zielgerichteten Maßnahmenplanung – in den sechs Praxisforen wurde gezeigt, wie betrieblicher Klimaschutz konkret aussieht.

Christopher Buers von der EffizienzAgentur NRW sowie Laura Backhaus von der Midsona Deutschland GmbH zeigten auf, wie eine Bilanzierung und Analyse von Energieverbräuchen erfolgen kann. Eine Klimabilanzierung schafft einen klaren systematischen Rahmen und Transparenz. So gelingt der Weg „vom Blumenstrauß an Maßnahmen zum Managementsystem“ in Sachen Klimaschutz.

Roland Schüren, Geschäftsführer von „Ihr Bäcker Schüren“ sprach über die Belieferung seiner 18 Filialen durch ausschließlich klimafreundliche – gasbetriebene und Elektro – Fahrzeuge samt Ladestation mit 15 Ladeplätzen und einer eigenen Photovoltaikanlage. „Es ist möglich, machbar und wirtschaftlich“ so Schüren. Foliensatz

Friedhelm Brügge von geoCapture ging auf die Vorteile des Fuhrparkmanagements mit GPS-Ortung ein. CO2-Reduktion erfolgte u.a. durch die Einsatz- und Routenplanung und das Kraftstoffcontrolling, was zu weniger Materialverbrauch, weniger Fahrten und Fahrzeugen sowie effizienteres Fahren sowie der Entlastung der Fahrer von lästigen Aufgaben führe. Wichtig ist die Einbindung der Mitarbeiter/innen von Beginn an, die Transparenz und klar kommunizierte Grundsätze zum Umgang mit den erhobenen Daten. Foliensatz

Holger Stude von der Westfälische Provinzial Versicherung berichtete über bisherige Maßnahmen im betrieblichen Mobilitätsmanagement, u.a. der Einrichtung eines Fahrradkellers und das Angebot von Jobrädern. Es sei wichtig, den Umstieg vom Auto auf Alternativen leicht und attraktiv zu machen. Auf einem Aktionstag Nachhaltigkeit sollen nun die persönlichen Bedarfe der MitarbeiterInnen datenschutzkonform erfasst werden, um daraus zielgerichtet Angebote wie die Organisation von Fahrgemeinschaften, einem Shuttlebusangebot zu den Park&Ride Plätzen bis zu einem optimierten Parkraummanagement zu schaffen. Foliensatz

Christop Berger, Geschäftsführer vom Modehaus Ebbers aus Warendorf ist Initiator einer Nahwärmeversorgung in der Innenstadt. Er berichtet über diese Klimaschutzkooperation im innerstädtischen Quartier. Über das gasbetriebene BHKW werden im innerstädtischen Altstadtquartier sechs Gebäude versorgt. Als nächster Entwicklungsschritt sind die Installation von Photovoltaikanlagen zur Stromversorgung und Ladeanschlüsse von E-Bikes geplant.

Anne Stührenberg vom CSR-Kompetenzzentrum Münsterland sowie drei teilnehmende Unternehmen berichteten über die Erfahrungen des dialogorientierten Prozesses der CSR-Selbstbewertung. Der strukturierte Prozess schaffe den nötigen Rahmen; durch den Dialog kämen neue Themen hoch und es gab den Anstoß, Dinge anzupacken. Die Kommunikation über sensible Themen werde möglich. Der Nutzen wird im Querdenken und dem Vertrauen in neue Themen gesehen. Foliensatz

 

Moderiert wurde die Tagung vom Leiter des CSR Kompetenzzentrums Münsterland Dr. Udo Westermann. Probefahrten mit verschiedenen E-Lastenrädern waren Teil eines Ausstellungsforums zu klimaschutzbezogenen Angeboten an Unternehmen.

 

Einige Impressionen